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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an Motorenexperten zum Thema Längs- / Quereinbau ?


Turbofan
29.01.2003, 09:06
in verschiedenen Postings u.a. über den R5 TDI wurde das Thema Längs- / Quereinbau von Motoren angesprochen.
Da ich beruflich (und damals im Studium) mit Verbrennungsmotoren nicht viel zu tun habe/hatte, fiel mir dabei folgende Frage ein:

Abgesehen von der Raumausnutzung gibt es Unterschiede, also Vor- o. Nachteile der beiden Einbauformen z.B. Schwingungsübertragung oder Bauteileaufwand ?
Wenn man wieder die Raumausnutzung bei Seite läßt, welche der beiden Einbauformen ist die bessere (wenn man sowas überhaupt sagen kann)?

beetle24
29.01.2003, 12:36
Original geschrieben von Turbofan
...................Abgesehen von der Raumausnutzung gibt es Unterschiede, also Vor- o. Nachteile der beiden Einbauformen z.B. Schwingungsübertragung oder Bauteileaufwand ?
Wenn man wieder die Raumausnutzung bei Seite läßt, welche der beiden Einbauformen ist die bessere (wenn man sowas überhaupt sagen kann)?


@Turbofan...

Traditionell ist der Längseinbau - mit Ausnahme des Käfers - die Urform. Erst mit der Kompaktklasse - so im Golf - kam man auf die Idee, den Motor quer einzubauen, weil der Motorraum besonders kurz ausfallen kann.

Damit schlug man "4 Fliegen mit einer Klappe":

- Kurzer Überhang des Vorderwagens
- Noch ausreichendes Crashmass
- Optimierung des Aggregateschwerpunktes durch konstruktive Neigung des Motors nach hinten oder nach vorne - je nach Motorgewicht.
- Einfacherer Achsabtrieb im Differenzial, weil Kurbelwelle, Getriebe und Räder in gleicher Dreh-Koordinate - also ohne 90Grad-Umlenkung liegen.

Unterschiede im Bauteileaufwand sind nicht signifikant - sind sind leistungs- und funktionsabhängig.

Unterschiede in der Schwingungsübertragung sind nicht signifikant: Moderne VWs haben hydrauliche Aggregatelagerung. Zudem sind die Aggregate in sog. Hilfsrahmen aufgenommen, die nur an wenigen Anschluspunkten mit der karosserie verbunden sind. Unterschiede in der Aktustik sind eher Ausstattungsbedingt - d.h der Aufwand an Akustikmassnahmen und Luftschalldämmung ist bei höherpreisigen Fahrzeugen grösser.

Unabhängig vom Einbaukonzept versucht man möglichst wenig Körperschall in die Karosserie einzuleiten - daher sind Verbindungen zu Schaltgestänge, Fußhebelwerk und Abgasanlage stets entkoppelt.

Entwicklungsziel bei neuen VWs ist u.a. ein längerer Radstand bei nahezu unveränderten Aussenmaßen. Da die Aggregateposition durch die Lage der Vorderachse bestimmt ist, kann das Ziel nur durch eine Verkürzung der Motorraumlänge gelingen.

Da einerseits das Crashmaß an der Spritzwand eingehalten werden muss - andererseits die Kühler den Einbauraum vorne benötigen, verbleibt immer weniger Netto-Länge für die Aggregate. Daher werden die neuen Mittelklasse VWs den Quereinbau behalten bzw bekommen.

Erst dann, wenn der Einsatz sehr grosser Motoren Priorität hat oder das Einscheinungsbild aus Gründen des Design höhere Priorität hat, wird man den Längseinbau bevorzugen - siehe D1.

Schöne Grüsse

Turbofan
29.01.2003, 12:47
@beetle24:
Danke für die gute und ausführliche Antwort!!

Mich intessierte dieses Thema besonders in Hinblick, daß der nächste Passat wieder einen Quermotor bekommt, was ja im Prinzip (wie Du ja schon schriebst) gut ist. So wird der Passat noch geräumiger :). Allerdings hätte dieses auch Nachteile bedeuten können. Aber dies scheint ja zum Glück nicht der Fall zu sein.
Also, ich bin gespannt, wie der neue Passat so wird. Allerdings muß ich mich noch ganz schön gedulden. Also werde ich wohl die aktuelle "Kiste" noch 2-3 Jahre fahren....

beetle24
29.01.2003, 16:29
Original geschrieben von Turbofan
[B........ Allerdings muß ich mich noch ganz schön gedulden. Also werde ich wohl die aktuelle "Kiste" noch 2-3 Jahre fahren.... [/B]


Nicht nur das - ich meine, es lohnt sich sogar, noch den aktuellen Passat zu kaufen. Durch die GP wird er auch zu Zeiten des neuen B6 noch lange ein gute Figur machen.

Ciao

Turbofan
29.01.2003, 16:36
Original geschrieben von beetle24
Nicht nur das - ich meine, es lohnt sich sogar, noch den aktuellen Passat zu kaufen. Durch die GP wird er auch zu Zeiten des neuen B6 noch lange ein gute Figur machen.

Ciao

Ich fahre ja schon den 3BG (s.u.) und bin damit sehr zufrieden. Trotzdem bin ich auf den neuen sehr gespannt.
Mit dem Warten meine ich, daß ich mir keinen anderen 3BG kaufen werden. Lieber warten und dann frühestens im 2. Modelljahr den B6 kaufen. Z.Zt. sind ja die Gebrauchtwagenpreise für Junggebrauchte sowieso miserabel.

FrankS
30.01.2003, 12:32
Was mich mal interessieren würde: Ich habe vor Jahren mal einen Verkehrssicherheitsexperten gehört(nein, es war nicht Christian Danner), der gesagt hat, er würde immer nur Autos mit Längsmotor fahren, weil die wesentlich Sicherer bei einem Crash sind.

So ganz konnte ich mir das nicht erklären, meint der vielleicht, das ein Längsmotor beim Frontalcrash zwischen die Vordersitze geschoben werden kann, ein Quermotor nicht? Das ist doch bestimmt bei den heutigen Knautschzonen und recht steifen Fahrgastzellen kein Problem mehr? Oder gibt es noch andere Gründe, warum ein Längsmotor ein besseres Crashverhalten hat?

Gruß,

Frank

Rainer Schaack
30.01.2003, 22:48
Längsmotor sicherer ?
Kann mir das eher umgekehrt vorstellen, da man hier dann eine größere Knautschzone hat.

Und noch am Rande: Bei einem Längsmotor kann man halt auch einfacher den Kühlerventilator direkt vom Motor antreiben lassen, beim Quermotor nimmt man dazu einen E-Motor.
Ob das auch ein Grund war, warum man früher mehr auf Längseinbau gesetzt hat ?

- Rainer

beetle24
31.01.2003, 08:06
Original geschrieben von Rainer Schaack
Längsmotor sicherer ?
Kann mir das eher umgekehrt vorstellen, da man hier dann eine größere Knautschzone hat.

Und noch am Rande: Bei einem Längsmotor kann man halt auch einfacher den Kühlerventilator direkt vom Motor antreiben lassen, beim Quermotor nimmt man dazu einen E-Motor.
Ob das auch ein Grund war, warum man früher mehr auf Längseinbau gesetzt hat ?

- Rainer

Moin...
nun geht einiges durcheinander

Crashverhalten Motor:
Dieses wird nur bestimmt durch das Crashmass Aggregateblock zur Fahrgastzelle - im Crashfall ist es der Physik egal in welcher Lage der Motor ist. Da er der "Vermittler" zwischen Hindernis und Fahrgastezelle ist, muss der gesamte Frontbereich incl. Aggregate ganzheitlich betrachtet werden.
Es schiebt sich auch kein Motor "zwischen die Vordersitze" um einen Crash günstig ablaufen zu lassen. Wenn es dazu kommen sollte, ist ohnehin alles zu spät.

Einbaulage in der Vergangenheit:
Früher gab es im PKW-Fronteinbau ausschließlich Reihenmotore oder V-Reihenmotore. Und die waren nun mal meist länger als der Motorraum breit war. Den Lüfterantrieb hatte man schon sehr bald in den 70er Jahren auf Elektro umgestellt und seit dem dennoch Längseinbau betrieben.
Moderne Motore von VW haben inzwischen fast ein quadratisches Verhältnis Länge zu Breite - der W8 ist sogar deutlich kürzer als breiter. Er hat die Einbaulänge in etwa eines Vierzylinders !

Quereinbau:
Dieser ist geboren aus dem Wunsch heraus, möglichst langen Radstand mit wenig Überhang vorne zu vereinen.

Bei grossen Fahrzeugen liegen die Priortäten aus technsicher Sicht und aus Gründen der Anmutung anders.

Deshalb wird es immer Autos geben mit beiden Einbaulagen - und beide sind für sich "sicher" im Sinne des Crashverhaltens.

Gruss

AudiMax
31.01.2003, 19:51
Das mit dem Längsmotor habe ich mal vor Jahren gehört, als viele Hersteller noch nicht wußten, was Airbag auf deutsch heißt und wie man ABS buchstabiert. Begründet wurde das damit, daß bei den meisten Fahrzeugen mit längseingebauten Reihenmotoren diese oft nicht mittig, sondern zur Beifahrerseite hin eingebaut waren (bei V-Motoren wäre diese Begründung hinfällig gewesen).
Aber heute ist das egal ob längs oder quer.

beetle24
01.02.2003, 08:07
@Audi Max..

.. nicht mittig kann ich mir nicht vorstellen - oft waren sie nur nach rechts geneigt um niedriger bauen zu können und um Platz für die Lenksäule zu haben. Dennoch meine ich, war der Motorblock schon in der Längsachse angeordnet - schon wegen des Wellenauslasses nach hinten zur mittig verlaufenden Kardanwelle - oder wie beim Porsche 924 zur schnell-laufenden Transaxlewelle.

Hast recht - hat sich inzwischen viel getan - zu unserem Wohle ;)
Gruss

Audiholic
05.02.2003, 21:26
Original geschrieben von Turbofan
@beetle24:
Danke für die gute und ausführliche Antwort!!

Mich intessierte dieses Thema besonders in Hinblick, daß der nächste Passat wieder einen Quermotor bekommt, was ja im Prinzip (wie Du ja schon schriebst) gut ist. So wird der Passat noch geräumiger :). Allerdings hätte dieses auch Nachteile bedeuten können. Aber dies scheint ja zum Glück nicht der Fall zu sein.
Also, ich bin gespannt, wie der neue Passat so wird. Allerdings muß ich mich noch ganz schön gedulden. Also werde ich wohl die aktuelle "Kiste" noch 2-3 Jahre fahren....

Hallo,

durch den Quermotor wird es keinen permanenten Allradantrieb (Quattro-Bauart) mehr geben. Allenfalls ein zuschaltbarer Allradantrieb über Kupplung ist noch möglich.

Außerdem habe ich gehört, das Quermotoren kritischer bei der Konstruktion des umzulenkenden Schaltgetriebes sind. Deshalb gab es früher beim alten Quermotor-Passat die Probleme mit der Seilzugschaltung.

Viele Grüße und schnell noch den Quattro-Passat kaufen!