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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fahrleistungen, Verbrauch & Steuer


spitfire
13.03.2003, 09:22
Servus.
Weiß schon, das Thema wurde ja im Thread "Volltanken ist mittlerweile pervers geworden" schon mal erörtert.
Ich hab nur mittlerweile die Zahlen gefunden, die ich schon lange suche und mal folgende Überschlags-Rechnung aufgestellt, um mal ein Gefühl für die Größenordnungen zu bekommen (bitte jetzt nicht um Nachkommastellen streiten...):

Jahresfahrleistung (nur Pkw!) in D (2001):
ca. 510 Mrd. km
Quelle: ADAC, deren Quellen: KBA, DIW, Stat. BA, BASt, Prognos
Plausibilitäts-Check: 44 Mio Pkw fahren im Schnitt knapp 12 ´km / Jahr >>> erscheint mir plausibel.

bei einem angenommenen mittleren Verbrauch von 8 lit./100km ergibt das ca. 40 Mrd lit. Sprit

bei mindestens 80 ct Steuer / lit. ergibt das ca 33 Mrd EUR Steuereinnahmen

Da ich von 8 lit / 100 km ausgegangen bin, macht als jeder Viertelliter Mehr- oder Minderverbrauch 1/32, also rund 1 Mrd EUR aus.

1 Mrd mehr oder weniger im Staatshaushalt, das ist schon ein ernstzunehmender Faktor.

Soviel zu den Größenordnungen...
Und jetzt noch ein wenig zündeln: Hat der Staat unter diesen Umständen überhaupt das Interesse, den Verkehr flüssig zu halten, oder nimmt man Staus und rote Wellen gerne in Kauf?

Nur mal so gerechnet... Der größere Verschleiß und daraus folgende Reparaturen (EKSt, MwSt, ... !!) ist noch so ein Thema.

mepf
13.03.2003, 09:40
Original geschrieben von spitfire
bei mindestens 80 ct Steuer / lit. ergibt das ca 33 Mrd EUR Steuereinnahmen

Diesel ist niemals mit 80 ct/Liter besteuert und wie hoch ist der Dieselanteil bei PKW inzwischen? 20%? 30%?

Gruß

Dirk

mepf
13.03.2003, 09:44
Habe mal eben nachgeschaut:

Mineralölsteuer (einschl. Ökosteuer) ab 01.01.2003:

unverbleites Benzin: 65,45 ct/Liter
Diesel: 47,04 ct/Liter

Quelle:

http://www.zoll-d.de/b0_zoll_und_steuern/b0_verbrauchsteuern/c0_minoel/b0_steuertarif_neu/index.html

Gruß

Dirk

wave
13.03.2003, 10:22
Original geschrieben von mepf
Habe mal eben nachgeschaut:

Mineralölsteuer (einschl. Ökosteuer) ab 01.01.2003:

unverbleites Benzin: 65,45 ct/Liter
Diesel: 47,04 ct/Liter

Quelle:

http://www.zoll-d.de/b0_zoll_und_steuern/b0_verbrauchsteuern/c0_minoel/b0_steuertarif_neu/index.html

Gruß

Dirk

Und dann noch die Mehrwertsteuer !
MfG wave

mepf
13.03.2003, 11:11
Original geschrieben von wave
Und dann noch die Mehrwertsteuer !
MfG wave


Ja, klar, die beträgt aber auch keine 33 ct/Liter beim Diesel (zumindest momentan (noch?!?) nicht;) )

Gruß

Dirk

A6-Fahrer
13.03.2003, 12:40
Original geschrieben von spitfire
Hat der Staat unter diesen Umständen überhaupt das Interesse, den Verkehr flüssig zu halten, oder nimmt man Staus und rote Wellen gerne in Kauf?
Nein, sicher nimmt man Staus nicht gerne in Kauf, denn der volkswirtschaftliche Schaden durch Stau ist höher, als die Mehreinnahme. Ganz zu schweigen von der unnötigen Umweltverschmutzung.

Gruß

MikeB70
13.03.2003, 18:48
Original geschrieben von spitfire
Hat der Staat unter diesen Umständen überhaupt das Interesse, den Verkehr flüssig zu halten, oder nimmt man Staus und rote Wellen gerne in Kauf?

Man hat tatsächlich oft den Eindruck, dass der Staat wenig Interesse daran hat, den Verkehr flüssig zu halten. Ich kann zwar das Argument des volkswirtschaftlichen Schadens, das A6-Fahrer gebracht hat, nachvollziehen. Aber die Praxis lässt oft einen anderen Eindruck entstehen.

Aber unabhängig vom Interesse am Verkehrsfluss bin ich der festen Überzeugung, dass der Staat genau wie die Mineralölindustrie herzlich wenig Interesse an einer starken Verringerung des Verbrauchs hat, weil dafür viel zu viel durch den Verbrauch eingenommen wird. Auch wenn die Ökosteuer aus öklogischer Sicht sinnvoll sein mag (was ich jetzt mal offen lasse), bin ich der Meinung, dass sie besser "Haushaltssanierungssteuer" heißen sollte. Denn würden durch die Ökosteuer plötzlich nur noch 3-Liter-Autos gefahren und das auch nur 5 tkm im Jahr, weil die Fahrer wo's geht auf ÖPNV umgestiegen sind, dann würde der Sprit bald 3 EUR kosten, weil Vater Staat sonst pleite wäre.

spitfire
13.03.2003, 19:21
Also, ich habe geglaubt klargemacht zu haben, daß es mir um eine Überschlagsrechnung ging. Naja...
Außerdem habe ich zu keinem Zeitpunkt ausschließlich von der Mineralölsteuer, sondern von Steuer allgemein gesprochen.

ok, noch mal:
Diesel 47 ct
der Liter zu 95 ct, macht 13 ct MwSt
>>> insgesamt also 60 ct Steueranteil.

Benzin uvbl. 65 ct
der Liter zu 1,10 EUR, macht 15 ct MwST
Insgesamt also 80 ct Steueranteil.

Wenn wir uns jetzt (Überschlagsrechnung!!!) auf eine 50/50-Verteilung Benziner/Diesel einigen können liegt der Steueranteil nicht bei den 80 ct meiner ersten Rechnung, sondern "nur" bei 70 ct. Der Steuererlös bei einem Viertel-Liter Mehr- oder Minderverbrauch liegt somit nicht bei einer Mrd, sondern 1/8 drunter bei 880 Mio.
Bitte vielmals Entschuldigung!!!

Ich wollte ein Gefühl dafür entwickeln, von welcher Größenordnung wir reden, ob´s ein paar 10 Mio sind, ober ob´s in höheren Ligen spielt. Sonst nichts.

@ A6-Fahrer
Du hast schon recht, der volkswirtschaftliche Schaden ist höher als die Steuereinnahmen, aber das Hemd ist nun mal näher als die Jacke:
Die Steuer fließt dem Staatshaushalt zu, den Schaden trägt die Volkswirtschaft. (Deshalb auch der Name ;-) ) Eine klare Sache von Fehlverteilung.
Konkretes Beispiel: Wenn ich auf dem Weg zu einem Kunden bin, nach Aufwand bezahlt werde und eine halbe Stunde länger auf der Straße bin, kostet das (den Kunden!) ca 80 EUR (netto). Das zahlt aber der Kunde, nicht der Staat. Und im Endeffekt zahlen wir alle es wieder, weil mein Kunde (Banken, Versicherungen, ...) es wieder an mich weitergibt, wenn ich bei ihm Kunde bin. Das interessiert den Staat (im Sinne von Staatsapparat) sehr wenig. Warum auch, er kassiert ja in diesem Fall mindestens wieder die Mehrwertsteuer...
Egal, was ich damit sagen will: Der volkswirtsachftliche Schaden durch schlechten Verkehrsfluß trifft den Staat nicht so sehr wie uns. Und deshalb bleibt er leider in den Kalkulationen unberücksichtigt.

Nichts für ungut.

A6-Fahrer
13.03.2003, 20:45
Original geschrieben von spitfire
Der Steuererlös bei einem Viertel-Liter Mehr- oder Minderverbrauch liegt somit nicht bei einer Mrd, sondern 1/8 drunter bei 880 Mio.
Bitte vielmals Entschuldigung!!!

Ich wollte ein Gefühl dafür entwickeln, von welcher Größenordnung wir reden, ob´s ein paar 10 Mio sind, ober ob´s in höheren Ligen spielt. Sonst nichts.

Egal, was ich damit sagen will: Der volkswirtsachftliche Schaden durch schlechten Verkehrsfluß trifft den Staat nicht so sehr wie uns. Und deshalb bleibt er leider in den Kalkulationen unberücksichtigt.
Neinnein, das war schon klar, aber wenn der Staat der Volkswirtschaft schadet, dann schadet er sich ja auch selbst. Um Dich zu beruhigen: genaue Zahlen habe ich in der schnelle niht gefunden, aber die Quelle die ich gefunden habe sprach von mehreren Milliarden po Jahr.

Gruß

spitfire
14.03.2003, 23:06
Original geschrieben von A6-Fahrer
[...] aber wenn der Staat der Volkswirtschaft schadet, dann schadet er sich ja auch selbst. Schon, aber weiß er das auch? ;) :D
Schönes Wochenende.