PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Autostadt+Fahrzeugabholung – Teil 2


maverick3
29.10.2002, 20:15
In der Freude auf eine verspätetes Mittagessen – oder vorgezogenes Abendessen?- machten wir uns auf den Weg in ein Restaurant. Und flugs in dem Moment als ich mich an eine Schlange anstellte piepte es. Verwundert ging ich an ein Telefon und wählte die Nummer auf dem Display und es wurde mir mitgeteilt dass unser Auto fertig sei – mir schwante nichts Gutes.
Aber das Essen schmeckte und so trafen wir dann gegen 17:00 wieder bei der Auslieferung ein und meldeten uns am Counter. Die nette Dame bat uns, an einem bestimmten Treffpunkt zu warten und auf den Aufruf am Bildschirm zu warten. Wir warteten 5 Minuten, 10 Minuten und nach 20 Minuten fragte ich noch einmal nach, ob ich den Treffpunkt richtig verstanden hätte, oder ob es ein Problem gäbe. Als Auskunft bekam ich, dass, wenn wir schon einmal da gewesen sind, unser Name nicht mehr auf dem Bildschirm erscheint und wir sollten einfach den nächsten Übergeber ansprechen. Die Prozesse scheinen sich wohl bei VW sehr schnell zu ändern ;-)
Gesagt, getan, der nächste Übergeber wurde angesprochen, das Anliegen vorgetragen, er machte große Augen und gestand gleich ein, dass er über den Vorgang nichts wisse, tippte aber schon mal unseren Namen in sein wichtig aussehendes Kästchen ein und fand das Fahrzeug, aber keinerlei Hinweise auf die zurückliegenden Vorgänge.
Tja, da stand er, mit vier geöffneten Türen, schon fertig ausgerichtet zum direkten Verlassen der Halle, und in einem Teil der Halle mit noch schlechteren Lichtverhältnissen wie beim ersten mal.
Der neue nette Herr meinte, dass dies der Wagen sei – darauf wäre ich selber nicht gekommen. Nur die Frage welche Mängel behoben seien, konnte er nicht beantworten. Auch ein Mängelprotokoll ist nicht erstellt worden, bzw. würden wir gar kein Mängelprotokoll mehr bekommen, da die Mängel dann eh der Händler behebt. Komische Logik! Aber er erklärte sich bereit nachzufragen. Dabei wollte er sich auch nach der Handyantenne erkundigen.
Währenddessen nahm ich eine Kurzinspektion vor. Zwei der drei Sonnenblenden waren gereinigt, die Kratzer an den Einstiegsleisten waren mit schwarzer Farbe übermahlt, die Kratzer an den D-Säulen waren behoben, ebenso Kratzer an den Abdeckungen der Sitzschiene. Der Lack-Kratzer am linken Kotflügel war auspoliert und der tiefe Kratzer an der Stoßleiste wurde mit roter Farbe (bei einem violetten Auto!) übermahlt. Sonst war noch alles beim alten.
Als der nette Herr, in der Zwischenzeit schon etwas genervt, wieder kam, meinte er, dass die Verschmutzungen beseitigt seien. Auf die Frage was mit den anderen Mängeln sei, wo der Zettel seines Vorgängers sei und ob das Übermahlen eines Kratzers auf einem violetten Auto mit roter Farbe bei VW zur ordnungsgemäßen Mängelbeseitigung gehöre meinte er, er hole jetzt besser seinen Vorgesetzten. Es fing an interessant zu werden. ;-)
Nach kurzer Zeit kam er wieder mit einem Herrn, der auf Grund seines Ganges und seiner Körperhaltung schon vermuten ließ, dass sein Selbstvertrauen nicht unterschätzt werden sollte. Was sich dann auch bestätigte – er hatte bestimmt mehrere Kurse zu den Themenbereichen „Konfliktmanagement“ und „Erfolgreiches Beschwerdemanagement auf Unternehmerseite“ belegt.
Erst mal ging die ganze Leier von vorne wieder los – ich zeigte ihm alle Mängel; die nach seinem Dafürhalten gar nicht so gravierend seien. Als ich zum Lackläufer am Spiegel kam und auf die Bläschen hinwies meinte er, dass das kein Mangel sei, sondern produktionsbedingt und dem Qualitätsstandard von VW entspreche. Außerdem findet man immer Mängel wenn man ein neues Auto mit der Taschenlampe absuche.
Nach kurzer „Pause zum Durchatmen“ entgegnete ich nur, dass er das Auto dann bitte von allen Seiten ausreichend beleuchten solle und wenn das der Qualitätsstandard sei, dann solle er das Auto lieber behalten.
Was mich überraschte, war, dass er danach „handsamer“ wurde. Er gestand ein, dass das Auto Mängel besitze, die nicht unerheblich seien.
Auf die Frage nach dem Zettel des ersten Übergebers, zum Zwecke der Überprüfung der erledigten Mängel, weigerte er sich diesen Zettel, der nach Aussage seines Untergebenen wohl in der Werksatt liege, zu holen und doch lieber die Mängel so aufzunehmen.
Gleich darauf bot er aber an, den PKW nicht zu übergeben, die Mängel zu beheben und einen neuen Übergabetermin zu vereinbaren. Auf die Frage ob VW dann für den erneuten Übergabeversuch die Fahrtkosten, Hotelübernachtung und Zeitausfall für die vier angereisten Personen übernimmt entgegnete er, dass VW ein Recht auf Nachbesserung hätte – mir bleibt heute noch dieser Zusammenhang im Verborgenen.
Daraufhin setzte er sich mit seinem Untertan Richtung Werkstatt in Bewegung, wobei dieser, kurze Zeit später, wieder kam und das Auto mit den Worten „das Auto soll nun doch noch mal in die Werkstatt“ mitnahm. Eine Anmerkung am Rande: Die Stellplätze in der Werksatt sind vorbildlich ausgeleuchtet, mit jeweils dreifachen Neonröhrensträngen an den Seiten, oben und schräg oben.
Nach weiteren 20 Minuten Wartezeit kam er wieder mit dem Auto und dem Mängelbericht, der nur die Mängel aufführte, die wir nach Übergabe selbst hätten verursachen können. Die restlichen Mängel werden dann vom Händler begutachtet und „bewertet“. Außerdem hätte man noch eine Karenzzeit von zwei bis drei Tagen, in der man beim Händler noch Mängel nachmelden könne.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der Herr Vorgesetzte sich nicht entscheiden konnte was er nun machen sollte und wollte oder er versuchte mit dieser Zick-zack-taktik uns zu verwirren.
Nach einer kurzen Diskussion über die Art und Weise der Vorfälle und des Verhaltens (ich bin auch immer froh über ein direktes Feedback und konstruktive Kritik) hatte er angeblich noch andere Dinge zu erledigen und wünschte uns gute Fahrt.
Auf den Wunsch nach dem obligatorische Übergabefoto mussten wir noch mal extra hinweisen!
Und ab ging’s mit dem neuen Auto und einem Übergabekilometerstand von 40 km zur nächsten Tankstelle.
Auf die Info nach der Handyantenne verzichtete ich, da es für mich einfacher war dies selbst zu testen, als in annehmbarer Zeit auf eine verlässliche Auskunft von VW zu warten. Das Ergebnis:
Die verbaute Kombiantenne funktioniert sowohl mit GSM900 (D-) als auch GSM1800 (E-) Netz wunderbar.

Nach insgesamt 1000km Heimfahrt inkl. einem Händlerbesuch zur Dokumentation der Mängel (wobei sich der Händler selbst über die Anzahl der Mängel und die Art der Übergabe sehr wunderte), traten noch zusätzliche Mängel auf, bzw. wurden noch weitere von mir gefunden.
Die Fahrerseitenscheibe kratzt und quietscht beim Öffnen, an der Motorhaube befindet sich eine Lackblase und mehrere Kratzer bis zur Grundierung unter dem Klarlack, eine Abdeckung eines Hochtöhners ist schief montiert und weist scharfe Kanten auf, ein Schalter der Fensterheber bleibt dauernd hängen, bei Kopfsteinpflasterfahrten klirrt es in der Mittelkonsole und wenn die Wassertemperatur zwischen 50 und 90 Grad ist stirbt der frisch gestartete Motor nach kurzer Zeit im Leerlauf wieder selbstständig ab.
Die schiefe und klemmende Taste der Heckscheibenheizung wurde übrigens durch einen beherzten Druck begradigt.

Sollte dieses Auto dem allgemeinen Qualitätstandart von VW entsprechen, dann haben wir wohl im nächsten Jahr mind. 50T Arbeitslose mehr in Wolfsburg. Denn damit hat sich VW nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
Ich kann nur hoffen und beten, dass mein Händler sich kooperativ zeigt und die Ansprüche an den Service-Wettbewerb der Händler höher waren, als an die Qualitätssicherung und die Endkontrolle im Werk.
Ich sehne den Tag herbei, an dem ich mal keinen neuen Fehler finde!

Gruss

Thomas

5,?l
29.10.2002, 22:56
das is ja der hammer :mad:

sax
30.10.2002, 07:35
da freue ich mich ja richtig dolle auf meinen wagen, den ich anfang januar in wolfsburg abhole!!!!

Elch
30.10.2002, 09:04
Hallo maverick 3,

danke für Deinen umfassenden, sehr detaillierten Bericht! Ich weiß, es tröstet Dich nicht, aber so ist es bestimmt nicht immer! Bei der Abholung meines Autos habe ich auch ziemlich ktitisch geschaut und wirklich keinen Mängel entdecken können. Dass ich dann in meinem Golf IV Variant auf der Rückfahrt ein ganz leichtes Klickern im Dachhimmel vernehmen konnte (nur wenn man darauf bewußt achtet, hört man es, dann wird man es allerdings auch nicht wieder los!) ist bis heute der einzige Mangel geblieben.
Ich vermute Mal, daß Außen-Kratzer, Lacknasen und Antennenabdeckung direkt mit der Sonderlackierung im Zusammenhang stehen. Ich meine damit nicht "selber schuld" - wenn VW das anbietet muß es auch ordnungsgemäß ausgeführt sein!
Der schiere Hammer ist aber die ganze Übergabesituation, die du schilderst! Da weiß einer nicht, was der andere tut, das Front-End ist (wenn's ernst wird) überfordert und die Prozesse dauern endlos. Im Problemfall schmilzt die Kundenorientierung dahin...

Bleib hartnäckig!

P.S.: Mit welchem EuropCar-Tarif (Fahrzeugtyp, OneWay-Miete, Werktags oder Sonntags, inkl. KM und Versicherung) kommst Du denn billiger als zum Autostadtselbstabholertarif nach WOB?

Hoinzi
30.10.2002, 09:31
Na, da hab ich ja offenbar richtig Glück gehabt. Ich habe bislang außer Windgeräuschen an der Beifahrertür, die die Werkstatt abgestellt hat, keinerlei Mängel an meinem Fahrzeug.

Ich bin bei der Übergabe auch ums Auto geschlichen und habe nach Kratzern und ähnlichem gesucht, war aber alles in Ordnung.

Da hast Du wohl ein richtiges Montagsauto erwischt.

Grüße

Jan

TTom
30.10.2002, 10:10
:eek: :eek: :eek: , da bleibt mir glatt der Mund offen!


Hallo Thomas,

gratuliere zu Deinem neuen Fzg. und gleichzeitig mein Beileid zu Deinem neuen "Montags"-Fzg.. Auch danke für den sehr informativen Bericht, der den zukünftigen Selbstabholer anregt, doch ein wenig genauer hinzusehen. Ich hoffe all Deine Mängel werden noch zur Zufriedenheit gelöst. Du kannst uns ja mal auf dem Laufenden halten.

Regnerischer Gruß,

Tom



PS: Das kommt bei allen Herstellern (auch Porsche) vor, sollte aber nicht in diesen Ausmaße sein.