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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum Winterreifen?


pergamoni
06.10.2003, 11:12
Griffige Argumente für bessere Haftung!

Zu teuer. Lohnt nicht. Bei uns gibt's eh nie Schnee. Hab' ganz frische Sommerreifen drauf - viele vermeintliche Gründe, warum man sein Auto gar nicht oder noch nicht mit Winterreifen ausrüsten muss. Die allerdings schnell dahinschmelzen angesichts griffiger Argumente für den Wechsel.

Moderne Winterreifen sind so konzipiert, dass sie nicht nur Fahrten bei Glätte und Schnee ermöglichen, sondern ihre besonderen Eigenschaften bereits ab sieben Grad plus ausspielen. Grund dafür ist, dass schon bei diesen Temperaturen die Gummimischungen von Sommerreifen zunehmend verhärten, wodurch der Kraftschluss zur Fahrbahn vermindert wird. Die Folgen sind geringere Haftung und längere Bremswege.

Je weicher aber das Gummi, desto besser passt es sich der Oberfläche der Straße an und desto effektiver ist die Verzahnung mit der Fahrbahn. Winterreifen verfügen über spezielle kältetaugliche Gummimischungen mit einem hohen Silica- oder Naturkautschuk-Anteil. Sie haben somit schon im Spätherbst auch auf trockener oder nasser Straße mehr Haftung und sind Sommerreifen beim Brems-, Lenk- und Beschleunigungsverhalten weit überlegen.

Die beste Hightech-Ausstattung versagt, wenn der Reifen nicht stimmt

Ihre größten Stärken zeigen Winterreifen aber auf Schnee. Ihr tiefes ausgeprägtes Profil sorgt für einen Verzahnungseffekt mit hoher Scherwirkung, was dem Grip zugute kommt. Und die zahlreichen Lamellen in den Profilblöcken steigern die Haftung sogar auf vereister Fahrbahn-Oberfläche. Am eindrucksvollsten lässt sich das am Beispiel Bremsen darstellen. Tests haben gezeigt, dass ein mit Sommerreifen bestückter Pkw aus nur 50 km/h erst nach 43 Metern zum Stehen kommt, während bei aufgezogenen Winterreifen 35 Meter zum Anhalten ausreichen. Im Ernstfall schlägt in diesem Vergleich der mit Sommerreifen bestückte Wagen noch mit respektablen 22 km/h auf ein Hindernis auf.

Bei unter vier Millimeter Profil steigt die Aquaplaning-Gefahr an: Ein Polizist misst bei einem Unfallauto die Profiltiefe. Und da helfen übrigens weder ABS noch ESP, denn sie stellen lediglich elektronische Helfer dar. Winterreifen ersetzen sie nicht. Sobald die Sieben-Grad-Grenze unterschritten wird, ist das Unfallrisiko sechsmal höher als im Sommer. Die beste Hightech-Ausstattung versagt, wenn die Reifen nicht den Straßenverhältnissen angepasst werden - und das trifft auf alle Fahrzeuge ohne die ausgeklügelte Sicherheitstechnik erst recht zu.

Auch die immer wieder geäußerten Einwände, Winterreifen seien grob-klotzige, unkomfortable, raue und laute Sohlen, sind längst Schnee von gestern. Moderne Winterreifen haben ein vergleichsweise geschlossenes Profil, sie sind leise und bieten einen guten Abrollkomfort. Sie können außerdem problemlos auf Alufelgen aufgezogen werden - und auch das Profil kann sich sehen lassen.

Winterreifen ist nicht gleich Winterreifen

Wichtig ist allerdings, dass die Winterreifen über eine ausreichende Profiltiefe verfügen. Liegt diese bei unter vier Millimeter, steigt die Aquaplaninggefahr an, Traktions- und Bremskraft nehmen deutlich ab, die Fahreigenschaften erreichen nur noch Sommerreifenniveau. Ebenso raten die Fachleute nach spätestens zehn Jahren auch bei noch ausreichender Profiltiefe zum Reifentausch.


Bereits ab sieben Grad Celsius plus steigt das Unfallrisiko mit Sommerreifen: Winterbereifung ist nicht vorgeschrieben, aber sicherer


Beim Neukauf wiederum ist darauf zu achten, dass Winterreifen nicht gleich Winterreifen ist. Die Bandbreite erstreckt sich vom ausgesprochenen Schneespezialisten bis hin zum Allrounder. Als Faustregel gilt: Winterpneus der unteren und mittleren Geschwindigkeitsklassen (etwa T-Reifen bis 190 km/h beziehungsweise H-Reifen bis 210 km/h) greifen im Schnee besser als Hochgeschwindigkeits-Versionen (V-Reifen bis 240 km/h). Diese wiederum haben ihre Stärken auf nassen und trockenen Fahrbahnen bei höheren Geschwindigkeiten.

Deshalb sollte die Frage nicht lauten, "ob das Fahrzeug auf Winterreifen umgerüstet werden soll, sondern wann", so Werner Sauerhöfer vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Für alle, die nicht wissen, wann man dem Auto die "Wintergarnitur" anlegen soll, sei die Faustregel von O bis O empfohlen. Zwischen Oktober und Ostern haben Winterreifen Hochsaison. Denn statistisch gesehen ergeben alle Tage mit Nässe, Frost, Schnee, Reif zusammengezählt 185 Tage im Jahr Winterreifenwetter.

Je früher der Wechsel auf Winterreifen, desto günstiger

Außerdem kann zu langes Zögern nicht nur unnötige Ausrutscher auf glatten Straßen mit sich bringen, sondern auch lange Wartezeiten in der Werkstatt. Clevere Autofahrer vermeiden den obligatorischen Stau beim Reifenfachhändler. Wer frühzeitig einen Umrüsttermin vereinbart, hat in Bezug auf Reifengröße und Reifenmarke noch die freie Auswahl, bevor der allgemeine Ansturm wieder zu den alljährlichen Lieferengpässen in den gängigsten Größen führt. Wer möglichst früh Winterreifen kauft und montieren lässt, kann auch mit günstigen Komplettangeboten rechnen.

Wer allerdings an hochwertigen Winterreifen spart, spart am falschen Platz. Nicht nur, dass viele Versicherungen die vollständige Haftung im Schadenfall bei falscher Saison-Bereifung ablehnen. Ein Unfall bei winterlichen Verhältnissen bedeutet nicht nur Ärger, sondern kann auch empfindlich ins Geld gehen. Zwar ist Winterbereifung nicht gesetzlich vorgeschrieben, doch in einem rechtskräftigen Urteil des Amtsgerichts Trier heißt es: "Wird das nur mit Sommerreifen ausgestattete bevorrechtigte Kfz im Winter auf verschneiter Straße behindert und kommt es aufgrund eines Bremsvorgangs ins Schleudern, ist eine Mitverursacherquote von 20 Prozent anzunehmen." Ein Satz hochwertiger Winterpneus ist da allemal billiger - von einem möglichen Personenschaden als Grund nicht angepasster Bereifung im Winter ganz zu schweigen.

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© SPIEGEL ONLINE 2003

MK155
06.10.2003, 11:31
Traditionell montiere ich die Winterreifen Anfang November ... habe sie aber für alle Fälle schonmal in der Garage liegen.

Der TT schläft den Winter über wieder, vorausgesetzt ich finde noch ein standesgemässes Winterauto. Den Golf 2 syncro fährt jetzt meine Cousine.

A6-Fahrer
06.10.2003, 11:40
Das mit den sieben Grad finde ich schon ein wenig übertrieben. Als ob sich das Verhalten des Sommerreifens schlagartig beim Durchschreiten der Grenztemperatur ändern würde... Ebenso beim WR, dann eben in der Gegenrichtung.

Habe vor ein oder zwei Jahren mal einen Test bei Temperaturen nahe 0°C zwischen SR und WR bei trockener und nasser Fahrbahn gelesen. Da hat der SR immer besser abgeschnitten, als der WR.

MK155
06.10.2003, 11:48
Original geschrieben von A6-Fahrer
[...]

Habe vor ein oder zwei Jahren mal einen Test bei Temperaturen nahe 0°C zwischen SR und WR bei trockener und nasser Fahrbahn gelesen. Da hat der SR immer besser abgeschnitten, als der WR.
Zum einen das ...

Und zum zweiten: Wie muss ich mir das in der Praxis vorstellen? Morgen fahre ich los (heute morgen beispielsweise) 2,5 °C - natürlich Winterreifen montiert. Nachmittags hat die Temperatur einen Wert von 13°C erreicht.

Da packt der MK155 seinen Wagenheber und die vier im Kofferraum mittransportierten Sommerräder aus, bockt auf dem Firmenparkplatz und dem Gejohle der Mitarbeiter seinen Golf hoch und montiert die Räder um. ;) ;) ... Nein, nein ... ich gönne zwar meinen Kollegen schon gerne mal was, aber den Spass, den enthalte ich ihnen lieber vor ;)

Rolling Thunder
06.10.2003, 11:56
Original geschrieben von A6-Fahrer
Das mit den sieben Grad finde ich schon ein wenig übertrieben. Als ob sich das Verhalten des Sommerreifens schlagartig beim Durchschreiten der Grenztemperatur ändern würde... Ebenso beim WR, dann eben in der Gegenrichtung.

Habe vor ein oder zwei Jahren mal einen Test bei Temperaturen nahe 0°C zwischen SR und WR bei trockener und nasser Fahrbahn gelesen. Da hat der SR immer besser abgeschnitten, als der WR.

Der Effekt ist wohl Abhängig vom Reifenprofil und dem Geschwindigkeitsindex. Meine Fulda Carat Extremo (225/45-17Z) hatten unter 7 Grad wirklich enorme Probleme, selbst auf trockener Straße. Hat sich wie Schmierseife angefühlt. Sicher, der Effekt tritt nicht schlagartig auf, aber je kälter es wird, desto stärker.

Der Uniroyal Rainsport 1 (225-40-18W) hatte wiederum keine Probleme mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Jedoch wurde er auch schon recht hart.

Auf meinem Audi-Cabrio hab ich dann im Frühjahr meine Winterreifen runter gefahren. Die hatten noch rund 3mm Profil. Wenn ich da am Kurvenausgang dem Fünfzylinder die Sporen gegeben habe, hatte ich wunderschöne Rauchwolken aus den Radkästen (und wenig Traktion) :D :D :D

PD-TDI
06.10.2003, 16:50
Original geschrieben von A6-Fahrer


Habe vor ein oder zwei Jahren mal einen Test bei Temperaturen nahe 0°C zwischen SR und WR bei trockener und nasser Fahrbahn gelesen. Da hat der SR immer besser abgeschnitten, als der WR.

Ja, der Test war in der AB, Wurde glaube ich mit einer C-Klasse gefahren.

Ludger Rosen
06.10.2003, 18:26
Ebenso raten die Fachleute nach spätestens zehn Jahren auch bei noch ausreichender Profiltiefe zum Reifentausch.

Allerdings gilt das "nur", weil da der gesamte Reifen porös wird.

Bei Winterreifen ist schon nach 5-6 Jahren das Problem, das die Gummi-Mischung im Winter zu hart wird, weil die Weichmacher raus sind und dann passt der Gripp nicht mehr!

Aber wer 15TKm im jahr fährt und mit dem Winterreifen auch 7500km, der ist in 6 Jahren gerade mal 45 TKm gerollt.....

Da ist der Winterreifen oft schon an den sog. magischen 4mm angekommen...

Und weil man im Winter die Sommerreifen schont, bleibt nur der Finanzierungsnachteil, der aber wiederum durch den Wegfall des Eigenanteils bei Unfällen im Winter mit Schnee und Sommerreifen...


usw
usw:cool:

Tob
06.10.2003, 18:50
Original geschrieben von Ludger Rosen


Aber wer 15TKm im jahr fährt und mit dem Winterreifen auch 7500km, der ist in 6 Jahren gerade mal 45 TKm gerollt.....



Hallo,

das wär ja dann eigentlich ein Kandidat für Ganzjahresreifen:rolleyes:
Ob Sommer, ob Winter man hat immer frische Reifen:)

Gruß

Tobias

PS: Eine Bekannte war mit 7jähigen WR unterwegs, die Dinger waren wirklich ausgehärtet:D