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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unfälle an Bahnübergängen


deBORA
30.11.2004, 17:35
Jedes Jahr geschehen in ganz Deutschland tödliche Verkehrsunfälle an Bahnübergängen.

Der anliegende Zeitungsartikel läßt mich die dargestellte Umfrage erstellen.

Die Frage ist, ob wir in Deutschland alle bestehenden Bahnübergänge mit einem Andreaskreuz (die mit ganz wenig Zug- und Autoverkehr), zusätzlich mit Blinklicht und Schranken ausstatten müßten, mit der Folge, hierdurch Kosten von 400.000 bis 450.000 Euro pro Bahnübergang zu produzieren. Dadurch kann es sein, daß viele Bahnstrecken unwirtschaftlich werden und die Bahn möglicherweise lieber die Strecke stilllegt, als zu investieren. Nicht nur der Staat, auch die Bahn ist pleite.

Ist ein Andreaskreuz hier genug?
18-Jähriger stirbt auf Bahnübergang


Tödlicher Unfall auf dem Bahnübergang bei Kuckstorf: Das Triebwagenfahrzeug schob den Pkw noch 200 Meter vor sich her - für den Autofahrer kam jede Hilfe zu spät.

Wieren. Ein 18-jähriger Autofahrer ist am Sonntagabend auf einem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Kuckstorf und Wieren von einem Regionalzug erfasst und getötet worden. Die Bahnstrecke Uelzen-Braunschweig war rund vier Stunden voll gesperrt, Hunderte Reisende wurden mit Bussen weitertransportiert.

Die Regionalbahn 24775 ist mit 90 Reisenden gut besetzt, als sie sich am Sonntagabend auf der Fahrt von Uelzen nach Braunschweig um 19.19 Uhr mit Tempo 80 dem unbeschrankten Bahnübergang bei Kuckstorf nähert. Der Lokführer löst nach eigenen Angaben vorschriftsmäßig das Pfeifsignal aus. Sekunden später sieht er den Opel Corsa auf dem Übergang

Der Zug erfasst das Auto und schiebt es rund 200 Meter vor sich her. Der Fahrer des Pkw (18) ist wahrscheinlich sofort tot. Warum er in der Dunkelheit auf der gut einsehbaren Strecke trotz des sich nähernden Zuges den Übergang überqueren wollte, wird wohl nie geklärt.

42 Feuerwehrmänner aus Wieren, Bad Bodenteich und Uelzen befreien den Fahrer aus dem völlig zerstörten Wrack. Der Triebwagenzug ist an der Druckluftbremse beschädigt, er kann seine Fahrt nicht fortsetzen.

Der tödliche Unfall von Sonntagabend lässt die Diskussion über die Sicherheit der Bahnübergänge zwischen Uelzen und Gifhorn wieder aufflammen. Vergangenes Jahr hatte es auf unbeschrankten Bahnübergängen dieser Strecke gleich vier Zusammenstöße zwischen Autos und Zügen gegeben.

"Rechtlich reicht die Absicherung der Übergänge aus", sagt Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns. Nach solch schweren Unfällen würden sich aber alle Beteiligten wie Bahn, Landkreis, Gemeinde und Polizei zusammensetzen, um zu prüfen, ob die Sicherung am betroffenen Übergang ausreiche. "Wenn man zu der Entscheidung kommt, das etwas getan werden muss, ist natürlich die Finanzierung der Maßnahme das nächste Thema", so Frohns. Die Bahn, der Bund und die Gemeinde müssten dann je ein Drittel der Kosten aufbringen.

Der Bahnübergang über den Verbindungsweg Wieren-Kuckstorf war in den vergangenen Jahren schon wiederholt Schauplatz schwerer und auch tödlicher Unfälle. Die Straße war daraufhin verschwenkt worden, so dass man ihn jetzt nicht mehr mit hoher Geschwindigkeit passieren kann. Außerdem ist im bereich des Bahnübergangs eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 20 km/h angeordnet. Die Straße wird fast ausschließlich von Ortskundigen benutzt.



[30.11.2004]



Gruß

deBORA

Andi@VW
30.11.2004, 18:01
Eigentlich hab ich die Option "Ich bin für die Stillegung von allen Bahnstrecken, egal ob sie überhaupt Bahnübergänge haben oder nicht" gesucht! :p :D

@topic: Ich halte eine Sicherung mit Andreaskreuz für ausreichend. Daß man stehenbleiben muß und aufpassen muß, lernt man schon ab der Fahrschule. Daran muß man sich einfach halten!! Wer zu dämlich dafür ist, dem geschieht leider sowas wie in diesem Bericht.

Greets, Andi

Don Martin
30.11.2004, 18:09
Es wurde vor einiger Zeit einmal eine Nachrüstlösung vorgestellt, bei der das Andreaskreuz auf einen stark reflektierenden, gelb floureszierenden Hintergrund gesetzt wurde, zudem gab es eine Warnampel. Die Kosten sollen hierfür pro Bahnübergang ca. 18.000 € betragen. Dies ist vielleicht ein sinnvoller Kompromiß.
Solche Unfälle sind immer tragisch, deshalb ist eine bessere Absicherung notwendig. Leider erkennen viele Autofahrer die Gefährlichkeit solcher Stellen nicht oder nicht mehr, auch hieran sollte gearbeitet werden...

deBORA
30.11.2004, 18:38
Es wurde vor einiger Zeit einmal eine Nachrüstlösung vorgestellt, bei der das Andreaskreuz auf einen stark reflektierenden, gelb floureszierenden Hintergrund gesetzt wurde, zudem gab es eine Warnampel. Die Kosten sollen hierfür pro Bahnübergang ca. 18.000 € betragen. Dies ist vielleicht ein sinnvoller Kompromiß.
Solche Unfälle sind immer tragisch, deshalb ist eine bessere Absicherung notwendig. Leider erkennen viele Autofahrer die Gefährlichkeit solcher Stellen nicht oder nicht mehr, auch hieran sollte gearbeitet werden...

Jede Lösung, die einbezieht, daß ein Signal geschaltet werden muß, verursacht enorme Kosten.

Mein Vorschlag, die Bahnanlage wenigstens so auszustatten, daß ein Lichtsignal bei einem herannahenden Zug gegeben wird, würde die Kosten der Schranke einsparen. Die Kosten der Schranke sind aber mit ca. 15.000 Euro für den Schrankenantrieb und die Schranke selbst verschwindend gering und würden den Bahnübergang nur unwesentlich verbilligen gegenüber der Preisangabe für einen komplett sicheren Bahnübergang.

Das teure an Bahnübergängen ist wohl immer das sich selbstständig schaltende Lichtzeichen für einen herannahenden Zug.

Außerdem ist nach dem Eisenbahnsicherungsgesetz die Einrichtung neuer Bahnübergänge ohne Schranken gar nicht mehr zulässig. Die alten Bahnanlagen genießen Bestandsschutz und werden aus Kostengründen nicht renoviert, weil dann auch Lichtsignalanlagen und Schranken installiert werden müßten, wenn der Bestandsschutz wegfiele.

Hätten wir heute noch Schrankenwärter gäbe es keine Arbeitslosen und Unfälle nur bei menschlichem Versagen.

Wenn eine Warnampel den ganzen Tag warnt, auch ohne daß ein Zug kommt, besteht die Gefahr, daß sie irgendwann von den Autofahrern genauso ignoriert wird, wie ein Andreaskreuz.

Zum Thema Verkehrspsychologie:
Mit Zebrastreifen ist es z.B. so, daß sie nur angeordnet werden dürfen, wenn in einer beliebigen Stunde des Tages mindestens 50 Fußgänger die Straße an der Stelle überqueren und in der gleichzeitig 200 Autos an der Stelle in der betreffenden Stunde fahren.

Wenn weniger Fußgänger dort unterwegs sind, stellt sich das Gehirn eines ortskundigen Autofahrers darauf ein, daß der Zebrastreifen nicht wahrgenommen wird, weil der Autofahrer dort ja nie wegen eines Fußgängers anhalten muß. Schließlich ist der Autofahrer dort 50 Mal ohne einen Fußgänger zu sehen, vorbeigefahren.

Gleichzeitig wiegt sich der Fußgänger, der dann doch mal an der Stelle die Fahrbahn queren möchte in einer vermeintlichen Sicherheit, er könne die Fahrbahn an dem Fußgängerüberweg gefahrlos überqueren.

Ein schlecht frequentierter Fußgängerüberweg bedeutet dadurch mehr Unsicherheit im Straßenverkehr als gar kein Fußgängerüberweg.

Gruß

deBORA

jch
30.11.2004, 19:18
Die Sache gestaltet sich m.E. nicht so einfach, wie du das mit deinen beiden Antwortmöglichkeiten darstellst.
In der Gegend, aus der ich komme, gibt es noch eine einzige Bahnlinie (Gießen-Fulda), an der leider auch einige unbeschrankte Bahnübergänge zu finden sind. Die Strecke ist allerdings so schwach befahren und wird relativ wenig genutzt, so dass eine Beschrankung sämtlicher Bahnübergänge den sicheren Tod der Strecke bedeuten würde. Das wäre aber gleichzeitig ein weiterer Dämpfer für diese eh schon sehr wirtschaftsschwache Gegend. Durch den Zug gibt es wenigstens noch die Möglichkeit, beispielsweise für Studenten, ins Nahe gelegene Gießen zu pendeln. Ohne diese Bahnstrecke wäre der Vogelsberg komplett von der Außenwelt abgeschnitten, was die öffentlichen Verkehrsmittel betrifft. Der nächste Bahnhof wäre dann für manche Leute in mehr als 30 km Entfernung, Busverbindungen gibt es auch nicht.

Ich bin mir allerdings darüber im Klaren, dass solch ein unbeschränkter Bahnübergang sehr große Gefahren darstellt. Vor einigen Jahren gab es hier auch einen schlimmen Unfall, wo aufgrund tiefstehender Sonne ein Fahrer das Signal übersah und ebenfalls getötet wurde. Dieser Bahnübergang ist inzwischen beschrankt...Ein guter Kompromiss sind daher auch für mich die Andreaskreuze mit Signalfarben.

AudiMax
30.11.2004, 21:35
Zum Thema Verkehrspsychologie:
Mit Zebrastreifen ist es z.B. so, daß sie nur angeordnet werden dürfen, wenn in einer beliebigen Stunde des Tages mindestens 50 Fußgänger die Straße an der Stelle überqueren und in der gleichzeitig 200 Autos an der Stelle in der betreffenden Stunde fahren.


Das kann aber nicht in NRW gelten. Mir fallen mehrere Zebrastreifen ein, da verwette ich meinen A****, daß an dieser Stelle die Zahlen nicht zu erreichen sind.



Was die Bahnübergänge betrifft wird die Sache nach Unfällen meiner Meinung nach oft zu hoch gekocht. Natürlich ist es für die Betreffenden schmerzlich, aber Unfälle im Straßenverkehr passieren halt. Die überfahrenen Fußgänger, Radfahrer oder tödlich verunglückte Autofahrer werden ja auch akzeptiert. Da gibt es genügend Gefahrenstellen auf deutschen Straßen, die eigentlich auch entschärft werden müßten. Und eine absolute Sicherheit wird es niemals geben. Auch ein beschrankter Bahnübergang kann defekt sein oder, was leider auch oft genug vorkommt, es wird bei geschlossenen Schranken noch versucht, die Bahnlinie zu überqueren - bei Halbschranken kein Problem. Ein bischen Gucken muß man eben beim Autofahren - egal ob an ungesicherten Bahnübergängen, Ampeln, Zebrastreifen oder Rechts-Vor-Links-Kreuzungen. Nur daß an Bahnübergängen das Auto fast immer den Kürzeren zieht.

Was mich allerdings erstaunt, daß an ungesicherten Bahnübergängen auf Nebenstrecken der Zug 80 km/h fahren darf. Das sollte man deutlich heruntersetzten. Ich würde mich freuen, wenn hier die Regionalbahn auf freier Strecke ohne Übergänge mal schneller als 60 km/h fahren würde.

MauK
30.11.2004, 21:41
Solche Bahnübergänge sind ein Unding. Eben weil da nie was los zu sein scheint, vermitteln sie eine trügerische Sicherheit. Ab dem 50. mal überqueren wird man unvorsichtig. Ein deutliches Warnsignal in Form eines Blinklichtes etc. sollte da schon sein.

Aber ...
42 Feuerwehrmänner aus Wieren, Bad Bodenteich und Uelzen befreien den Fahrer aus dem völlig zerstörten Wrack.
... auf die Feuerwehr möchte ich auch nicht angewiesen sein. Oder war da gerade zufällig ein Feuerwehrfest?!

Frost
30.11.2004, 22:14
Verbietet Strassenbahnen.

// Ich seh grad, dass ich da in der Gegend schonmal war, daher würde ich als erste Verkehrssicherungsmaßnahme allgemein die Anbringung von Leitpfosten empfehlen. ;)


Spannende Gegend :rolleyes:

deBORA
30.11.2004, 22:46
Was mich allerdings erstaunt, daß an ungesicherten Bahnübergängen auf Nebenstrecken der Zug 80 km/h fahren darf. Das sollte man deutlich heruntersetzten. Ich würde mich freuen, wenn hier die Regionalbahn auf freier Strecke ohne Übergänge mal schneller als 60 km/h fahren würde.

Die Strecke zwischen Uelzen und Braunschweig ist eine Strecke von fast 100 Kilometern Länge. Eine Nebenstrecke ist das nicht. Allenfalls eine selten befahrene Verkehrsverbindung, auf der am Tag vielleicht 10 Züge je Richtung fahren.

Und ob der tonnenschwere Zug mit 60 oder 80 km/h auf ein leichtes Auto prallt, ist, was die Auswirkungen betrifft, völlig egal. Ein Zug hat keine Knautschzone, sondern bohrt seine Puffer ins Wageninnere, egal ob mit 30 oder 60 km/h. Ein Auto wiegt nichts und wird durch den Zug regelrecht zermalmt.


... auf die Feuerwehr möchte ich auch nicht angewiesen sein. Oder war da gerade zufällig ein Feuerwehrfest?!

Warum nicht. Im Landkreis Uelzen gibt es bei ca. 97.000 Einwohnern mehr als 4.700 freiwillige in erster Hilfe ausgebildete aktive Feuerwehrleute, die retten, löschen und bergen mit und ohne technischem Gerät.

Waren Dir mit 42 Feuerwehrleuten zuviel Menschen an der Unfallstelle? Weißt Du, wieviel Menschen allein für die Absicherung der Unfallstelle notwendig sind? Wieviele Menschen in dem Zug betreut werden mußten, die selber einen Schock hatten, weil sie mitbekamen, daß jemand am Triebkopf des Zuges starb? Wieviele Menschen für das Bedienen einer Rettungsschere benötigt werden? Wieviele Menschen für die notwendige Kommunikation mit der Rettungsleitstelle wegen der Nachforderung von Einsatzmitteln und der Fragen der Bereitstellung von eventuellen Krankenhauskapazitäten notwendig sind? Wer spricht mit der Presse, der Bahn und steht als Kommunikationspartner der Polizei zur Verfügung? Wer hält die Schaulustigen fern? Wieviele Menschen braucht man, um ein in einen Zug verkeiltes Auto zu befreien? Wer sorgt für die Sicherheit der Einsatzkäfte an der Unfallstelle (Stichwort Starkstrom durch eine eventuell elektrifizierte Bahnstrecke, Explosionsgefahr durch auslaufendes Öl und Benzin, usw...?)

Es war kein Feuerwehrfest dort. Auf die Einsatzbereitschaft der Wehren ist verlaß und sonntags abends kommt jeder, wenn die Sirenen gehen....

Bei dem letzten Großbrand vor einem Monat waren 550 Feuerwehrleute im Einsatz. (Es mußte im Schichtbetreib gearbeitet werden, weil das Feuer mehrere Stunden anhielt. Wenn man mit Atemschutz in ein brennendes Haus geht, darf man höchstens 20 Minuten damit arbeiten. Dann ist man körperlich ausgelaugt und steht selbst kurz vor dem "Herzkaspar".) Es konnte verhindert werden, daß die Flammen von einem brennenden Holzfachhandel mit Lagerhalle auf ein Autohaus, eine Videothek und ein angrenzendes Wohngebiet überschlugen. Da braucht man soviel Menschen. Allein pro Schlauchverteiler muß ein Feuerwehrmann/-frau postiert werden, um Wasser an- oder abzustellen.

Du siehst, wie ich die freiwillige Feuerwehr hofiere. ;) Nicht von ungefähr weiß ich, daß VW Funktionsträgern der Feuerwehr (Gemeindebrandmeister, Kreisbrandmeister) beim Autokauf Rabatte einräumt, wenn der Wagen als Einsatzwagen benutzt wird (Ausstattung mit BOS-Funk und Signaleinrichtungen - sogenannte Kojaklampe - Das Auto muß nicht rot sein. Es kann auch black-magic-perleffekt lackiert sein.). Getreu dem Motto: VW rettet Menschenleben. Eine bessere Werbung gibt es nicht für VW. Ein Freund von mir ist ehrenamtlich tätiger Gemeindebrandmeister. ;) Ein anderer ist Ortsbrandmeister....

Gruß

deBORA

Frost
30.11.2004, 23:17
(...)
Warum nicht. Im Landkreis Uelzen gibt es bei ca. 97.000 Einwohnern mehr als 4.700 freiwillige in erster Hilfe ausgebildete aktive Feuerwehrleute, die retten, löschen und bergen mit und ohne technischem Gerät.

(...)


Woher kommen eigentlich deine Zahlen? 4700 Feuerwehrleute für 97.000 Einwohner? 450.000€ für eine Schrankenanlage?

Meine Heimatstadt hat 270.000 Einwohner und insgesamt (BF und FF) weniger als 1000 Feuerwehrleute. Da klingen 4700 doch sehr hoch. // Zumal die Stadt Uelzen nur knapp 100 Freiwillige hat.

deBORA
30.11.2004, 23:18
Woher kommen eigentlich deine Zahlen? 4700 Feuerwehrleute für 97.000 Einwohner? 450.000€ für eine Schrankenanlage?

Meine Heimatstadt hat 270.000 Einwohner und insgesamt (BF und FF) weniger als 1000 Feuerwehrleute. Da klingen 4700 doch sehr hoch.


;)

Zur Erklärung:

Im Netz findet sich diese Pressemitteilung:

Hintergrundinformation zu dem Artikel der AZ vom 30.11.2004
“Ist ein Andreaskreuz hier genug? 18-jähriger stirbt auf Bahnübergang”


Mit tiefem Bedauern nimmt der Landkreis von dem tödlichen Verkehrsunfall am Bahnübergang Kuckstorf am 28.11.2004 Kenntnis.

Den Bahnübergang in Kuckstorf betreffend regelt das Eisenbahnkreuzungsgesetz in den §§ 3, 5 und 13 für den Fall der Installierung weitergehender Sicherungsmaßnahmen eine Kostendrittelung zwischen der DB Netz AG, der Gemeinde und dem Bund.

Die Aussage in dem Artikel der AZ vom 30.11.2004, “Bahn, Straßenverkehrsbehörde und Gemeinde müssten dann je ein Drittel der Kosten aufbringen”, entspricht nicht der Rechtslage nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz.

In einem seit 2003 bestehenden Schriftwechsel zwischen der Samtgemeinde Bodenteich und der DB Netz AG ist das Thema “Bahnübergang Kucksdorf” wegen der dortigen Gefahrenlage ausgiebig diskutiert. Eine Änderung der Sicherungsanlagen am Bahnübergang Kucksdorf hat die Bahn zuletzt mit Schreiben vom 17.05.2004 gegenüber der Samtgemeinde Bodenteich abgelehnt.

Die Sicherung eines Bahnübergangs mit Schranken und Lichtzeichenanlage verursacht nach Schätzungen der DB Netz AG Kosten von insgesamt ca. 400.000 bis 450.000 Euro.


Ich hatte die erste Meldung in diesem Thread (Zeitungsartikel) mit den Informationen und Korrekturen aus dieser Pressemitteilung des Landkreises vom 30.11.2004 wiedergegeben.

Achso, und dann gibt es noch diese Seite: http://www.kfv-uelzen.de/

Da kann man neben einer eigenen Pressemitteilung zu dem Unfall, Zahlen, Daten und Fakten zur Feuerwehr entnehmen. Was die aktuellen Zahlen betrifft. Es sind wohl nur ca. 4.400 aktive Feuerwehrleute in der Auflistung auf der o.g. Homepage. Ich hatte die "Altersabteilung" der über 60-jährigen einfach noch dazugezählt, die offiziell nicht mehr zu den Aktiven zählen, aber nach wie vor ihre Fähigkeiten haben, wenn man auf sie angewiesen ist.


Zumal die Stadt Uelzen nur knapp 100 Freiwillige hat.

Das ist das Problem der Städte, daß man dort die Einwohner kaum zu einem Ehrenamt bewegen kann. Auf dem Dorf lebt es sich sehr viel solidarischer und für den Staat ist es zudem sehr viel kostengünstiger, weil man keine hauptberuflich Beschäftigten für vielerlei Aktivitäten der Dörfer braucht.

Gruß

deBORA

hepo
01.12.2004, 10:51
WIe wäre es mit einer harten Bestrafung all derer die absichtlich einen gesicherten Bahnübergang missachten?

Teilweise umkurven einige Id*oten sogar geschlossene Halbschranken.

Für solche Einsätze sollte man mal die Videob*llen einsetzen!
Zwar werden sie dann nur 2-3 Täter pro Tag abkassieren können, aber damit wäre sicher mehr Verkehrssicherheit geschaffen als hinter rechtschaffenden Bürgern hinterherzueiern, die auf freier Strecke mal ein wenig das rechte Bein durchdrücken!

Ne mal im Ernst, nur weil einige Verkehrsteilnehmer zu blöd sind muss man doch nicht darüber nachdenken Eisenbahnstrecken stillzulegen!

Hier fehlt 1. Aufklärung und 2. Strafe!

deBORA
01.12.2004, 22:19
Was muss noch passierenWas muss noch passieren?"
Schon vier Menschen starben auf Bahnübergängen bei Bodenteich

"Ich habe selbst schon mal eine Vollbremsung machen müssen". Dabei kennt Karl-Hans Firsching die Gefahren des Bahnübergangs bei Kuckstorf wie kaum ein anderer - schließlich ist er Sprecher des Dorfes und fährt täglich den Verbindungsweg nach Wieren. Doch wie es so ist mit Strecken, die man kennt wie seine Westentasche - "da kommt so gut wie nie ein Zug und plötzlich ist einmal doch einer da", weiß Firsching.

Ähnlich könnte es auch dem 18-jährigen Autofahrer ergangen sein, der Sonntagabend den Bahnübergang überquerte, obwohl sich mit Tempo 80 eine Regionalbahn näherte. Der Zug erfasste das Auto und schleifte es 200 Meter mit, der Fahrer wurde getötet. Es ist das zweite Todesopfer auf diesem Bahnübergang, zwei weitere Menschen starben wenige Kilometer entfernt zwischen Lüder und Langenbrügge, ebenfalls auf einem Bahnübergang der Bahnstrecke Uelzen-Wittingen.

Bei der Überquerung beider Übergänge ist lediglich Tempo 20 für Kraftfahrer erlaubt, die Bahnstrecke ist gut einsehbar und bei Kuckstorf wurde vor mehr als zehn Jahren zusätzlich noch die Straße verschwenkt, um ein schnelles Überqueren des Bahnüberganges unmöglich zu machen. Trotzdem kracht es auf beiden unbeschrankten Übergängen weiter - und nach Einschätzung Firschings ist gerade diese Straßenverschwenkung eine zusätzliche Gefahr: "Mancher Autofahrer konzentriert sich dann darauf und denkt nicht mehr an die Bahn".

Der Kuckstorfer Dorfsprecher hatte in seiner Funktion als Ratsherr der Samtgemeinde eine Ratsinitiative wegen der beiden Bahnübergänge gestartet. Daraufhin gab es einen regen Schriftwechsel zwischen Samtgemeinde und der DB Netz AG - in deren Verlauf die Bahn schließlich zuletzt am 17. Mai dieses Jahres mitteilte, dass keine aktuellen Planungen zum Einbau von Schranken und Lichtzeichenanlagen bestünden. Die Übergänge seien in "rechtlich ausreichendem Zustand".

Letzteres bezweifelt auch niemand. Für Dorfsprecher Karl-Hans Firsching stellt sich vielmehr die Frage, "ob da angesichts von vier Toten nicht endlich etwas passieren muss - "da kann das rein vom Gesetzestext alles noch so richtig sein".



[02.12.2004]



Was denkt ihr dazu? Ist ein Autofahrer selbst schuld, wenn er stirbt, weil er am Andreaskreuz nicht guckt, oder sollte die Bahn reagieren und viel Geld investieren, was die Bahnstrecke womöglich unwirtschaflich macht?

Die 4 Toten, von denen in dem Artikel gesprochen wird, sind übrigens in den letzten 20 Jahren dort gewesen. Also nichts Aktuelles. Aber so ist die Presse eben.

Gruß

deBORA

P H
01.12.2004, 22:25
Was denkt ihr dazu? Ist ein Autofahrer selbst schuld, wenn er stirbt, weil er am Andreaskreuz nicht guckt [...]Ja. Wer denn sonst? :confused:

Shabooboo
01.12.2004, 22:30
Also bei mir zu Hause (oder besser gesagt bei meinen Eltenr zu Hause) haben die vor einem halben Jahr eine Ampelanlage für 10.000 € installiert, obwohl da kaum Schieneverkehr herrscht. Da fahren nur zu bestimmten Anlässen die Züge vorbei und die Strecke ist auch noch so übersichtlich, dass ich die für nicht relevant halte, weil da halt kaum ein Zug fährt.

Gruß Matze

deBORA
01.12.2004, 22:34
Ja. Wer denn sonst? :confused:

Vielleicht die Bahn, weil Bahnübergänge, die nur ein Andreaskreuz haben nicht der im allgemeinen vom Bürgen gesehenen Verkehrssicherungspflicht genügen. Schließlich muß ich als Hausbesitzer z.B. auch dafür sorgen, daß niemand sich vor meiner Haustür die Knochen bricht, wenn es schneit, obwohl doch jeder weiß, daß es dann glatt ist?

Oder ist das Straßenverkehrsamt Schuld, weil es die Möglichkeit gehabt hätte, eine Ampelanlage aus Verkehrssicherheitsgründen zu forden, unabhängig von der Frage, inwieweit sich die große Bahn von einem kleinen Landkreisbeamten im Straßenverkehrsamt überhaupt beeindrucken läßt und sich was vorschreiben läßt?

Ich selbst bin genau Deiner Meinung PH. Aber ich erwische mich selbst auch dabei, daß ich nicht immer vor solchen Bahnübergängen anhalte.

Wenn die Diskussion hier bewirkt, daß uns allen die Gefährlichkeit solcher Bahnübergänge wieder ins Bewußtsein gerufen wird, ist m.E. schon viel erreicht.

Gruß

deBORA

deBORA
01.12.2004, 22:44
Also bei mir zu Hause (oder besser gesagt bei meinen Eltenr zu Hause) haben die vor einem halben Jahr eine Ampelanlage für 10.000 € installiert, obwohl da kaum Schieneverkehr herrscht. Da fahren nur zu bestimmten Anlässen die Züge vorbei und die Strecke ist auch noch so übersichtlich, dass ich die für nicht relevant halte, weil da halt kaum ein Zug fährt.

Gruß Matze

Für 10.000 Euro gibt es leider keinen sicheren Bahnübergang. Es ist rechtlich der Bahn nicht erlaubt, Bahnübergänge nur mit einem Blinklicht neu einzurichten. Neue Bahnübergänge müssen Blinklicht und Schranke haben. Alte Bahnübergänge nur mit Blinklicht und ohne Schranke haben Bestandsschutz. Ein neu einzurichtender Bahnübergang, der den Vorschriften entspricht, kostet zwischen 400.000 und 450.000 Euro. Das teure ist die Lichtsignalanlage, die nie ausfallen darf!!!, die nicht verrotten darf, die nur dann auslösen darf, wenn tatsächlich ein Zug kommt, die Rückmeldung geben muß, wenn sie doch mal ausfällt.

Eine solche individuell für jeden Bahnübergang einzurichtende Lichtanlage ist teurer als ein kleiner Mircosoft Computer, der in Millionenauflage für wenig Geld gekauft werden kann.

Eine kleine Straßenampel für einen Fußgängerüberweg einzurichten kostet schon weit mehr als 50.000 Euro.

Für 10.000 Euro kann man einen Verkehrsplaner, der die notwendigen Zeichnungen für die erforderliche Einrichtung eines Bahnübergangs anzufertigen hat, nicht mal bezahlen, geschweige denn die Durchführung des gesetzlich vorgesehenen Verfahrens nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz.

Glaubst Du immer noch, die Bahn würde sich wegen 10.000 Euro querstellen, die nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz ohnehin nur zu 1/3 von der Bahn zu finanzieren wären?

;) (P.S.: Ich heiße nicht Firsching und ich wohne nicht in Kuckstorf und ich keine auch niemanden aus Kuckstorf.).

Gruß

deBORA

Shabooboo
01.12.2004, 22:47
Also bei uns ist das ja nur eine kleine Bummelbahn, die ab und zu mal fährt. Und die haben da nur eine Ampelanlage installiert, die nur angeht, wenn sich ein Zug nähert, aber das ist halt eher selten der Fall.

Gruß Matze

deBORA
01.12.2004, 22:56
Also bei uns ist das ja nur eine kleine Bummelbahn, die ab und zu mal fährt. Und die haben da nur eine Ampelanlage installiert, die nur angeht, wenn sich ein Zug nähert, aber das ist halt eher selten der Fall.

Gruß Matze

Glaubs mir, jede Ampelanlage kostet mehr als 10.000 Euro. ;)

Und wenn die Anlage bei Euch neu installiert sein sollte, dann kann es nur sein, daß das Eisenbahnkreuzungsgesetz nicht für den von Dir genannten Bahnweg gilt, weil es keine Strecke der DB Netz AG ist.

Wenn man die Presseartikel aufmerksam liest, erfährt man, daß die Gemeinde den Weg vor der Bahnanlage extra so verschwenkt hat, damit die Autofahrer nicht so schnell davor fahren. Weißt Du, was so eine Fahrbahn-Verschwenkungs-Maßnahme kostet? Sicherlich weit mehr als 10.000 Euro. Wenn es so billig wäre, Bahnübergänge mit Blinklicht und Schranke abzusichern, hätte niemand die Verschwenkung bezahlt, sondern lieber stattdessen den absolut sicheren Bahnübergang mit Ampel und Schranke.

Glaubs mir einfach. ;)

Gruß

deBORA

Shabooboo
01.12.2004, 23:03
Ah, wenn das nur für Übergänge der DB gilt, dann kann das sein. Bei uns ist das die MWB, also Mittel-Weser-Bahn. Vielleicht ist es dann nicht notwendig, da so einen Teil für ne halbe Million hinzustellen.

Gruß Matze

P H
01.12.2004, 23:11
Wenn man die Presseartikel aufmerksam liest, erfährt man, daß die Gemeinde den Weg vor der Bahnanlage extra so verschwenkt hat, damit die Autofahrer nicht so schnell davor fahren.Ich hab's gelesen ... :)

Aber auch ohne eine solche Maßnahme bleibe ich dabei, daß, wer ohne anzuhalten (oder gar ohne zu gucken, wie in Deiner Frage) über einen Bahnübergang fährt, die alleinige Schuld trägt, sollte es dann zu einem Unfall mit einem herannahenden Zug kommen ...

Übrigens: der Vergleich mit der Räumpflicht hinkt ein wenig, da Deiner Schilderung nach gemäß der aktuellen Gesetzeslage existierende Bahnübergänge ohne Schranke ja den Vorschriften genügen. ;)

P.S.: Ich heiße nicht Firsching und ich wohne nicht in Kuckstorf und ich keine auch niemanden aus Kuckstorf.Stimmt, Du wohnst ja in ..o.., gell!? :)

Schattenparker
03.12.2004, 16:07
Eine Antwortmöglichkeit fehlt noch: Straße kappen bzw. mehrere Straßen an einem Bahnübergang zusammenführen. Nicht jeder Feldweg braucht einen Bahnübergang bzw. wegen einem besseren Trampelpfad gleich eine Bahnstrecke zu schließen ist gaga.

In den letzten Jahren wurden auch einige zuvor stillgelegte Nebenbahnstrecken wieder reaktiviert, bei uns etwa die Wieslauftalbahn. Gegenüber den früheren Bussen erfreut sie sich einer viel höheren Beliebtheit. Die meisten Stellen sind meines Wissens auch überall mit beschrankten Bahnübergängen ausgerüstet.

Bei uns gibt es im Bereich des S-Bahn Netzes des Verkehrsverbunds Stuttgart keine Bahnübergänge mehr, nur noch Unterführungen bzw. Brücken. Bei den engen Taktzeiten wären Bahnübergänge keine geeigneten Lösungen, wurden Stück für Stück entfernt. Das Ergebnis ist super. Es kann dort nun keine Unfälle mehr geben, was zuvor noch vorkam da gerade Halbschranken öfter ignoriert wurden :mad: . Natürlich ist dies die teuerste Lösung.

Sollte die S-Bahn einmal östlich von Schorndorf erweitert werden (was ich aber für unwahrscheinlich halte) gibt es dort noch jede Menge Bahnübergänge welche dann wohl wegfallen würden. Wenn es dann aber in einer kleineren Gemeinde gut vier Bahnübergänge gibt muss man sich auch fragen ob alle notwendig sind. An einigen Stellen würden sicherlich Fußgängerüberwege ausreichend sein, die Abstände zwischen den Bahnübergängen sind verhältnismäßig klein, da müsste eigentlich nicht jeder Bahnübergang aufrechterhalten werden.

Andy

AudiMax
03.12.2004, 17:02
Die Strecke zwischen Uelzen und Braunschweig ist eine Strecke von fast 100 Kilometern Länge. Eine Nebenstrecke ist das nicht. Allenfalls eine selten befahrene Verkehrsverbindung, auf der am Tag vielleicht 10 Züge je Richtung fahren.


Das is ja nicht allein von der Länge der Strecke abhängig. Als was laufen denn die dort verkehrenden Züge im Fahrplan, ICE, IC, RE, RB?



Und ob der tonnenschwere Zug mit 60 oder 80 km/h auf ein leichtes Auto prallt, ist, was die Auswirkungen betrifft, völlig egal. Ein Zug hat keine Knautschzone, sondern bohrt seine Puffer ins Wageninnere, egal ob mit 30 oder 60 km/h. Ein Auto wiegt nichts und wird durch den Zug regelrecht zermalmt.


Es ging mir nicht um das, was bei einem Zusammenstoß mit 30, 60, oder 80 km/h passiert, sondern darum, daß das Sehen und Gesehen werden (sowohl vom PKW-Fahrer als auch vom Zugführer) bei geringeren Geschwindigkeiten einfach schneller und sicherer wird. Außerdem hat eine Notbremsung des Zuges bei geringerer Geschwindigkeit mehr Aussicht auf Erfolg.
Auch auf gesicherten Bahnübergängen gelten Geschwindikeitsbegrenzungen für die Schienenfahrzeuge, ich glaube die liegen bei 100 oder 120 km/h. Die Hochgeschwindigkeitsstrecken sind z.B. grundsätzlich übergangsfrei. Da finde ich 80 km/h bei einem ungesicherten Übergang sehr viel.

Voljä
03.12.2004, 17:30
Ich finde es eh einen Witz dass erst auf Strecken mit LZB ( >160 km/h) keine Bahnübergänge die Schienen mehr kreuzen dürfen.
Auf der anderen Seite sind es in meinen Augen meist die naiven, besserwisserischen und einfach nur dummen Autofahrer, die an Übergängen ihr Leben riskieren. Nicht immer ist das so, aber in meinen Augen haben unbeschrankte Übergänge an wenig befahrenen Strecken eine Daseinsberechtigung.

deBORA
04.12.2004, 18:06
Auf der anderen Seite sind es in meinen Augen meist die naiven, besserwisserischen und einfach nur dummen Autofahrer, die an Übergängen ihr Leben riskieren.


Der Autofahrer, der hier zu tode kam, war 18 jahre alt.

Der konnte noch gar nichts besser wissen, weil ihm gänzlich jede Erfahrung fehlte. Aber jedes Jahr kommen hunderttausende solcher Fahranfänger auf unsere Straßen. Und ich kann und darf deren Fahrerfahrung nicht mit meiner Fahrerfahrung messen.

Der Bahnübergang, an dem er starb, hatte nur ein Andreaskreuz. Ich kenne im Landkreis Gifhorn allein 3 Bahnübergänge, die ausschließlich ein Andreaskreuz haben, aber seit mehr als 2 Jahren stillgelegt sind.

Wenn ich dort langfahre, sehe ich niemanden, der langsam über den Übergang fährt oder guckt, weil jeder weiß, daß der Bahnübergang dort stillgelegt ist. Nur das Andreaskreuz ist noch nicht abgebaut.

Genauso wie ein stillgelegter Bahnübergang sieht die Strecke in Kuckstorf aus, wenn gerade kein Zug kommt. Wenn jemand also im Nachbarlandkreis Gifhorn gerade "gelernt" hat, an drei Bahnübergängen mit Andreaskreuz nicht halten zu müssen, dann ist dieser Lerneffekt beim Bahnübergang Kucktorf tödlich.

Das tragische ist, daß die Bahn es nicht fertigbekommt, deutschlandweit stillgelegte Bahnübergänge zurückzubauen. Das Andreaskreuz hat seinen Sinn verloren, wenn es an stillgelegten Bahnübergängen nicht abgebaut wird.

Und wenn die Bahn es deutschlandweit nicht hinbekommt, stillgelegte Bahnübergänge "zurückzubauen", dann muß die Bahn halt gezwungen werden, die Bahnübergänge, die genauso aussehen, wie die stillgelegten, mit zusätzlicher Sicherheitstechnik aufzurüsten.

Die Bahnlinie, die zwischen den beiden Flaggen im Bild unten liegt, ist z.B. stillgelegt. Die Andreaskreuze stehen aber alle noch. Niemand hält an diesen Bahnübergängen, um nach einem Zug zu scheuen. Diese stillgelegten Bahnübergänge sind nur 2o km vom Todesübergang entfernt.

Gruß

deBORA

Mal sehen, ob es gelingt, die Bahn zu zwingen. ;)

Gruß

deBORA

Schattenparker
04.12.2004, 18:23
Und wenn die Bahn es deutschlandweit nicht hinbekommt, stillgelegte Bahnübergänge "zurückzubauen", dann muß die Bahn halt gezwungen werden, die Bahnübergänge, die genauso aussehen, wie die stillgelegten, mit zusätzlicher Sicherheitstechnik aufzurüsten.

Das ist exemplarisch für die Bahn.

Bei mir in Schorndorf wurde vor ca. 3 Jahren der letzte Bahnübergang innerhalb des VVS S-Bahn Netzes durch eine Brücke ersetzt (zwischen Schorndorf und dem Teilort Schorndorf-Weiler). Es war ein Bahnübergang mit Vollschranken.

Die erforderliche Straße und die etwas vom alten Bahnübergang entfernt angeordnete Brücke waren schnell erstellt. Auf beiden Seiten des Bahnübergang waren auch schnell Gehsteige angebracht. Der Bahnübergang war also längst nicht mehr befahrbar.

Die Bahnschranken und Beleuchtungsanlage wurde aber erst mehr als 12 Monate nach Schließung des Bahnübergangs abgebaut. Es sah immer recht lustig aus wenn scheinbar sinnlos mitten in der Landschaft ein paar Bahnschranken herumstanden.

In Deinem Fall ist die Trödelei natürlich gefährlich. Entweder muss man den noch vorhandenen Bahnübergang absichern oder die stillgelegten Bahnübergänge schnell abbauen bzw. als stillgelegt kennzeichnen.

Andy

P H
04.12.2004, 18:29
Der Autofahrer, der hier zu tode kam, war 18 jahre alt.

Der konnte noch gar nichts besser wissen, weil ihm gänzlich jede Erfahrung fehlte. Na, wenn gerade ein Fahranfänger, dessen Theorie-Unterricht noch nicht sehr lange zurückliegt, die Bedeutung eines am Unfallort offensichtlich vorhandenen Andreas-Kreuzes nicht versteht, was soll man da noch sagen! :(

P H
04.12.2004, 18:35
In Deinem Fall ist die Trödelei natürlich gefährlich. Entweder muss man den noch vorhandenen Bahnübergang absichern oder die stillgelegten Bahnübergänge schnell abbauen bzw. als stillgelegt kennzeichnen.Wieso gefährlich? Wenn man als ortskundiger Autofahrer um die definitve Stilllegung einer Strecke mit absoluter Sicherheit weiß, kann man ja an den entsprechenden Übergängen relativ unbedarft die Gleise passieren. Ein ortsfremder Fahrer wird (in diesem Fall zwar unnötigerweise, aber vertretbar) dies mit Vorsicht tun, wie der in meinem Beispiel Ortskundige es an jedem anderem, ihm unbekannten Übergang dann auch wieder tun sollte ...

deBORA
04.12.2004, 18:49
Wieso gefährlich? Wenn man als ortskundiger Autofahrer um die definitve Stilllegung einer Strecke mit absoluter Sicherheit weiß, kann man ja an den entsprechenden Übergängen relativ unbedarft die Gleise passieren. Ein ortsfremder Fahrer wird (in diesem Fall zwar unnötigerweise, aber vertretbar) dies mit Vorsicht tun, wie der in meinem Beispiel Ortskundige es an jedem anderem, ihm unbekannten Übergang dann auch wieder tun sollte ...

Ich glaube, wenn an den stillgelegten Bahnübergängen, die in der Landkarte in meinem Beitrag weiter oben dargestellt sind, jemand tatsächlich abbremsen würde, würde es dort viele viele Auffahrunfälle geben. Die Bahnübergänge, die in der Karte zu sehen sind, stehen an viel befahrenen Straßen. Bis zu 500 Autos und LKW pro Stunde.

Verkehrseinrichtungen müssen befolgt werden. Das ist die Regel. Wenn jedoch Verkehrseinrichtungen unsinnig in der Weltgeschichte rumstehen, wie z.B. Andreaskreuze an stillgelegten Bahnübergängen, dann fängt der Autofahrer an, Verkehrseinrichtungen (Andreaskreuze) zu ignorieren.

So funktioniert leider die menschliche Psyche.

Straßenverkehr kann und darf nicht eine Sache sein, die unterschiedliche Verhaltensweisen zwischen ortskundigen und ortsunkundigen Autofahrern auslöst. Müssen Ortskundige etwa das Andreaskreuz an stillgelegten Bahnübergängen nicht beachten? Gelten Verkehrszeichen nicht für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen.

Eine ganz besonderer Gruß an Dich PH, Du weißt schon....;)

Gruß

deBORA

deBORA
04.12.2004, 18:53
Na, wenn gerade ein Fahranfänger, dessen Theorie-Unterricht noch nicht sehr lange zurückliegt, die Bedeutung eines am Unfallort offensichtlich vorhandenen Andreas-Kreuzes nicht versteht, was soll man da noch sagen! :(

Ich lege für die Qualität der Theorie-Ausbildung in den Fahrschulen meine Hand genauso wenig ins Feuer, wie Du. ;)

Gruß

deBORA

P H
04.12.2004, 19:34
Ich glaube, wenn an den stillgelegten Bahnübergängen, die in der Landkarte in meinem Beitrag weiter oben dargestellt sind, jemand tatsächlich abbremsen würde, würde es dort viele viele Auffahrunfälle geben.Ja, fahr' ich denn als Autofahrer bis zum Andreas-Kreuz normal weiter und leg' dann eine Vollbremsung hin, infolgedessen es zu Auffahrunfällen kommen könnte!? Ich nähere mich doch den örtlichen Gegebenheiten entsprechend dem Bahnübergang an, genauso, wie ich als Hintermann eines solchen Ortsunkundigen nicht stur weiter draufhalte, wenn dieser Vordermann bremst ... :confused:

Verkehrseinrichtungen müssen befolgt werden. Das ist die Regel. Wenn jedoch Verkehrseinrichtungen unsinnig in der Weltgeschichte rumstehen, wie z.B. Andreaskreuze an stillgelegten Bahnübergängen, dann fängt der Autofahrer an, Verkehrseinrichtungen (Andreaskreuze) zu ignorieren.

So funktioniert leider die menschliche Psyche.Ja, die Menschen sind nun mal bescheuert, manche ganz besonders (siehe z. B. Wahlergebnis USA) und manche noch mehr, siehe z. B. hier (http://de.wrs.yahoo.com/S=2114718008/K=autofahrer+a7/v=2/SID=e/l=NSR/R=1/SIG=11j4al4vo;_ylt=AnCKHrXYhfWcCaJSZKFhTIs4CQx.;_y lu=X3oDMTA2bTQ0OXZjBHNlYwNzcg--/*-http%3A//de.news.yahoo.com/041203/336/4bosp.html) ... :eek:

Straßenverkehr kann und darf nicht eine Sache sein, die unterschiedliche Verhaltensweisen zwischen ortskundigen und ortsunkundigen Autofahrern auslöst. Müssen Ortskundige etwa das Andreaskreuz an stillgelegten Bahnübergängen nicht beachten? Gelten Verkehrszeichen nicht für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen.Sicher, drum würde ich persönlich mich auch einem mir als stillgelegt bekannten Bahnübergang stets aufmerksam nähern, man weiß schließlich nie, ob nicht doch was kommt ... ;)

Eine ganz besonderer Gruß an Dich PH, Du weißt schon....;) Gruß zurück! :)

Ich lege für die Qualität der Theorie-Ausbildung in den Fahrschulen meine Hand genauso wenig ins Feuer, wie Du. ;) Schon. Aber um zu wissen, daß man an einer roten Ampel hält oder daß an einem Bahnübergang Züge kommen können, braucht es keine hochklassige Theorie-Ausbildung - das sollte man schon als Schulkind (oder noch früher) wissen!

Dieter W.
05.12.2004, 10:43
Da ich aus einer Gegend komme, wo es noch mehrere unbeschrankte Bahnübergänge gibt, und es immer wieder zu tödlichen Unfällen kam, sollte man denken, die Autofahrer sind hier besonders aufmerksam. Es passiert aber fast jeden Monat ein Zusammenstoß. Ich kenne einige, die sagen, ich habe den Fahrplan im Kopf. Da dies natürlich nur eingleisige Strecken sind, glauben die wirklich daran. Es kann doch jederzeit ein Sonderzug kommen oder eine Rangierlok, die Güterwaggons umsetzt. Also, mir wäre der Glaube an den Fahrplan zu riskant. Bei allen mir hier bekannten Übergängen ist die Höchstgeschwindigkeit auf 20 km/h heruntergesetzt. Und wenn sich alle daran halten würden, müsste man einen herannahenden Zug bemerken. Es gibt einen Übergang in einem Dorf, da muss ich stehen bleiben. Sonst kann ich mich nicht richtig absichern. Es gibt aber auch da viele, die knallen drüber.

Gruß
Dieter W.

Hoinzi
05.12.2004, 13:21
Das Andreaskreuze an stillgelegten Strecken nicht abmontiert werden, dürfte wahrscheinlich wieder mit Bestandsschutz zu tun haben.

Wenn die Bahn die Strecke wieder in Betrieb nehmen möchte, kann der Bahnübergang bleiben wie er ist. Wenn aber alles demontiert wird, müsste der Übergang komplett abgesichert werden. Um das zu umgehen, bleibt also alles wie es ist.

Bei uns im Ort gibt es auch eine kleine Bahnstrecke, auf der früher zweimal pro Stunde ein kleiner Zug verkehrte. Es gab im Ort einen Bahnübergang, über den relativ viele Autos fahren.

Dieser war bis vor einigen Jahren unbeschrankt, nur mit Blinklicht gesichert. Vor einiger Zeit wurde ein älterer Herr schwer verletzt, weil er angeblich durch die tiefstehende Sonne so geblendet wurde, daß er das Licht nicht gesehen hat.

Als dann wenig später ein Mädchen von 8 Jahren beide Beine verlor, als es vom Zug überfahren wurde, wurden Halbschranken aufgestellt.

Wobei man gerade bei dem Mädel nicht sicher sein konnte, ob die Schranken was gebracht hätten, es kam nämlich mit zwei Freundinnen an den Übergang. Das Mädchen rief "Das schaff ich noch" und fuhr los. Eine klare Fehleinschätzung, die die beiden Freundinnen zum Glück nicht teilten.

Ich hätte mich in diesem Alter so was nie getraut. Ich hatte schon immer einen Heidenrespekt vor diesem Zug und habe immer soviel Abstand wie möglich gehalten. Möglicherweise hat das Mädel nur das nachgemacht, was es von seinen Eltern vorgeführt bekam.

Übrigens gab es nach Einführung der Halbschranken immer noch genug Spinner, die um die Schranken herumkurvten.

Ich verlasse mich übrigens auch bei beschrankten Übergängen nicht auf die Signale alleine, sondern sehe immer noch mal in beide Richtungen, so ganz mag ich mein Leben nicht der Technik überlassen. Auch wenn mich einige Hinterherfahrer dafür hassen, daß ich nicht mit 60 über den Bahnübergang prügel.

Grüße

Jan

Frost
05.12.2004, 16:24
Ich hab jetzt noch meinen Fahrlehrer im Ohr: "So, und jetzt nähern wir uns langsam dem Bahnübergang und sehen, ob sich kein Schienenfahrzeug nähert!"

Der Spruch kam übrigens auch an beschrankten Bahnübergängen mit geöffneten Schranken. ;)